Blick 297 auf Bayer, Lufthansa, British Airways, hot-maps.de und GKK

Das ist der 297. Blick auf die Social-Media-Kampagne „Destination Vielflieger“ von Lufthansa, auf ein umstrittenes CRM-Projekt bei British Airways, einen Vampireffekt bei Google Maps und einen Flashmob bei der Bayer AG.

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Blick 295 auf das Halali der Gothaer. Ein Interview.

Das ist der 295. Blick auf einen Shitstorm bei der Gothaer Versicherung im April 2012. Ein Interview mit Dr. Klemens Surmann, Pressereferent der Gothaer Versicherung in Köln über Entstehung, Verlauf und Lernkurven.

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Der Brouhaha

Die Pinnwand der Gothaer-Facebook-Seite erlebt einen zweiwöchigen Shitstorm von Naturschützern, Jagd-Gegnern und Veganern.

Der Auslöser
Gothaer-Vorstandsvorsitzender Werner Görg ruft – als Reaktion auf die geplante Novellierung des Landesjagdgesetzes NRW – in einem offenen Brief an 15.000 Jäger zur Unterstützung der Jagd auf.

Der Verlauf
Mitte März, Landtag in NRW löst sich auf. Es ist Zeit der Neuwahlen in NRW.

  • März 2012: Die Günen planen die Novellierung des Landesjagdgesetzes in NRW
  • 16.04.12: Werner Görg, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Versicherung in Köln fordert in einem Brief mit dem Briefkopf der Gothaer zusammen mit dem ehemaligen CDU-Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert als Präsident des Landesjagdverbandes (LJV) NRW die 15.000 Jagdverbandsmitglieder dazu auf, für die Jägerstiftung natur + mensch zu spenden. Es drohe das „Aus für die Jagd“, es braucht eine Informationskampagne.
  • 18.04.12: NABU kritisiert den Spendenaufruf als Wahlkampfhilfe, fordert den Rücktritt von W. Görg und droht mit Boykott- und Kündigungaufruf an seine 500.000 Mitglieder. Am gleichen Tag berichtet der WDR von der politischen Dimension des Vorfalls
  • 20.04.12 05.00 Uhr ots-Meldung, Online-Medien greifen das Thema auf, Meme „Gothaer bläst zum Halali auf Rot-Grün
  • 21.04.12: Auf der Facebook-Seite formiert sich ein Shitstorm
  • 23.04.12: Gothaer Versicherung ruft in einem Post zur Wahrung der Netiquette auf und kündigt die Löschung von beleidigenden, obszönen und bedrohenden Beiträgen an.

Ein Shitstorm-Rollenspiel um eine fränkische Bratwurst

Rollenspiel

Weil Brouhahas und Shitstorms aktuell in aller Munde sind: Dr. Michael Kausch von vibrio berichtete November 2011 über ein interessantes Rollenspiel zum Thema Online-Reputation und Shitstorm

Mit zwei Studententeams der Wirtschaftsinformatik (!) an der FH Würzburg hatte er eine Reputationskatastrophe veranlasst, ausgespielt, bekämpft und schließlich analysiert. 

So war der fingierte Jungunternehmer Frank Schärtzelmacher mit seiner „Fränkischen Bratwurst Manufaktur“ mit einem weiblichen Troll „Rita Grenz“ konfrontiert. Die machte ihm mit einer „Ekelwurst“ via Social Media das Leben schwer.

Sehr lesenswerte Dokumentation des Rollenspiels, vor allem die Reaktion von chefkoch.de, das unvermeidliche und unreflektierte Lemminge-Verhalten sowie die Effekte der Gegenmaßnahmen von Frank Schärtzelmacher.

Gaaanz schlechtes Timing: Qantas Hashtag-Kampagne #qantasluxury entwickelt sich zum PR-Gau

Hashtag-Kampagnen auf Twitter können so schööön erfolgreich sein: FoxNoPlanetaTerra von VW, Mercedes-Benz-Tweet-Race, KLM Surprise oder auch die „Tweet & Win“-Kampagne von Cinemaxx. Also… machen!

Eine konzeptionelle Frage vorab:

  • Was ist der ideale Zeitpunkt für den Start einer Twitter-Hashtag-Kampagne für die australische Airline Qantas?

Wenn es jemals einen idealen Zeitpunkt gab, dann war Dienstag der 22.11.2011 sicherlich der denkbar dümmste:

Dennoch, am Dienstag began Qantas mit der Twitter-Hashtag-Kampagne „Qantas Luxury Competition“. Zu gewinnen waren 50 First Class Pyjamas + First Class Amenity Kit (Eine Art Packerl mit Annehmlichkeiten, welches einem das Reisen in der First Class noch angenehmer machen soll).

„Ever wanted to experience Qantas First Class luxury? You could win a First Class gift pack feat. a luxury amenity kit and our famous QF PJs“

Dafür musste man sich nur vorstellen, wie toll eine First-Class-Reise mit Qantas Airline denn sein kann und mit dem Hashtag #qantasluxury twittern.

To enter tell us ‚What is your dream luxury inflight experience? (Be creative!) Answer must include #QantasLuxury…

Nun, es kam was kommen musste: Nach den Streiks hatte die Mehrzahl der Einsender nicht wirklich positive Erinnerungen an Qantas. Die entfesselte Kreativität der Einsendungen sprengte aber sicherlich die Vorstellungskraft des frischen Social Media Teams.

Es folgte also ein „Backfire“, „Backlash“ und letztendlich auch einen Shitstorm. Binnen einer Stunde war der Hashtag #qantasluxury das Trending Topic auf Twitter in Australien und 24 Stunden nach Beginn fand man das Thema in den Massenmedien wieder.

Und wenn die Youtube-Parodie von AlexJBaldwin Schule macht, dann führt das zu allem Verdruss auch noch zu einer Wiederbelebung des „Hitler loses his shit“-Meme…

Eine interessante Anmerkung von Andrea Beato auf intentious.com: Qantas hat es geschafft, mit einer Kampagne für 0,001% ihrer Kunden einen landesweiten PR-Gau zu erzeugen. Da fragt man sich wirklich, ob Twitter nicht mehr Gefahr als Chancen bietet…