Podcasting doch auf dem Weg zum Massenmedium?

37,6 Mio. Podcastnutzer werden in der USA für das Jahr 2013 erwartet. Das geht aus dem aktuellen Papier „Podcasting: Into the Mainstream“ von eMarketer hervor.  Paul Verna, Senior Analyst bei eMarketer analysiert darin unterschiedliche Studien und stellt die Ergebnisse eigenen Annahmen gegenüber.

Die aus meiner Sicht 7 interessantesten Take-Aways (gerundete Daten):

1. Anzahl der Podcastnutzer in USA 2008

  • 40% der Amerikaner haben schon mal was von Podcasting gehört
  • 20 % der US-Onliner haben schon mal einen Podcast geladen
  • 10 % der US-Onliner (20 Mio.) nutzen Podcasts mindestens monatlich (Download or Stream)
  • 3% der US-Onliner (6 Mio.) nutzen Podcasts täglich

2. Podcast in der Unternehmenskommunikation

  • 10 % der US-Unternehmen nutzen Podcasts
  • 30 % überlegen Podcasts zukünftig in die Marktkommunikation zu integrieren

3. Soziodemografische Merkmale von Podcastnutzern hängen stark vom genutzten Inhalt ab

4. Hörer- / Sender-Bindung

  • Es besteht eine enge Beziehung zw. Hörer und Sender
  • Das Nischenpublikum ist „primed“ bzw. teilweise schon „konditioniert“

5. Print tut sich schwer mit dem Media Shift

  • Die Quote der bei den Top 100 Zeitungen (US)  angebotenen Podcasts fiel von 49% (2007) auf 40% (2008)
  • Podcast-Inhalte sind zunehmend „Mainstream Media Content“ aus klassischen Medien wie TV / Radio mit bestehender „Audience“, und weniger „Long-tail Programming“

6. Chancen für Podcast-Werbung steigt, weil…

  • … klassische Medien zunehmend Inhalte liefern,
  • … eine stetig wachsende Reichweite ein zunehmend interessante Umfelder bieten,
  • … sich mobile Podcast-Nutzung via iPhone et al von reinem Download in Richtung Streaming entwickelt,
  • … erste Ansätze zur Standardisierung der Werbemittel und Reichweitenmessung bestehen.

7. iPod / iPhone-Faktor

  • 37% der Amerikaner ab 12 Jahren besitzt einen iPod / MP3-Player / iPhone
  • Apple hat bisher geschätze 197 Mio. iPods und 18 Mio. iPhones verkauft

Fazit

Podcasting wird wachsen. Wachstumstreiber sind die sich ändernde Mediennutzung, technologische Neuerungen und neue Inhalte.

Ist Podcasting damit aber auch schon auf dem Weg zum „Massenmedium“?

6 Antworten

  1. Michael van Laar sagt:

    Meine Meinung: So lange es noch immer vergleichsweise kompliziert ist, einen Podcast zu abonnieren, wird das nichts mit dem Massenmedium. Aus dem gleichen Grund setzten sich RSS-Feeds auch nach Jahren noch immer nur langsam bei der Allgemeinheit durch.

    Web ist leicht: Ein Browser ist auf jedem PC bereits vorinstalliert, auf immer mehr Handys, Spielekonsolen etc. ebenfalls. URL eintippen oder bei Google suchen – und ab geht’s.

    Podcast ist noch immer nicht leicht: Man braucht einen Podcatcher. iTunes hat nicht jeder. Der Windows Mediaplayer kann mit Podcasts nichts anfangen. Und nach dem Klick auf ein Abo-Icon zeigt der Browser im schlimmsten Fall den XML-Quelltext der RSS-Datei an.

  2. Die Chancen stehen gut, dass Podcasting zu einem Massenmedium wird! Es ist jedoch befürchten, dass sich lediglich der Begriff „Podcast“ für alle Arten von Audio- und Videoinhalten im Netz etabliert. Das ursprünliche Wesen des Podcast, das auf der Möglichkeit des Abonnierens basiert, wird sich nur schleppend verbreiten! So schließe ich mich der Meinung meines Vorredners an und prognostiziere ebenfalls ein langsames Wachstum.

  3. Ralph Bassfeld sagt:

    Das hören von Podcasts ist zeitintensiv. Oft sind diese lang ( 30 Minuten oder mehr. Oft ist es effizienter die Informationen schriftlich anzubieten, anstatt als Audiodatei. Darum denke ich, dass eine Firma sich gut uberlegen muss, ob ein Podcast auch einen Mehrwert für seine Kundschaft bieten kann.

    Ich höre gerne Podcasts, kann aber maximal 30 Minuten pro Tag dafür aufwenden. Dadurch bin ich sehr selektiv sein.

  4. Ich denke ebenfalls, dass man mit einem langsamen Wachstum rechnen kann. Das WWW wurde schliesslich auch nicht ueber Nacht erfolgreich… Und vor 10 Jahren waren Flatrate und VoIP noch unbekannt – geschweige denn von Web 2.0.

    Es ist voellig logisch, dass auch das Phaenomen Podcast (einhergehend mit den Videocasts) seine Zeit braucht um richtig „anzukommen“… Meiner Meinung nach spielt dabei jedoch auch der aktuelle Web 2.0 Hype eine grosse Rolle…
    Der „normale Buerger“ liest mittlerweile taeglich in Spiegel, FAZ oder der regionalen Tageszeitung, dass es Services wie das StudiVZ, Facebook oder Twitter gibt. Natuerlich bleiben hier auch Podcasts nicht aus… Und Jeder moechte es ausprobieren um „up2date“ zu sein…

    Ich moechte die Verbreitung dieser Themen durch die Medien nicht generell schlechtheissen, aber manchmal frage ich mich, ob dieser ganze Web 2.0 Hype nicht ein wenig zu viel ist…

    Wie dem auch sei: Podcast wird kommen, denn es ist ein sinnvolles Medium, welches auch wunderbar durch Werbung bezahlt werden kann. Schliesslich bleibt dem User hier auch nicht die Moeglichkeit einen „AdBlocker“ oder Aehnliches zu installieren. Services, welche ein Vorspulen des Podcasts nicht erlauben werden mehr werden und auch die Anzahl der Premium Inhalte werden mehr.

    Just my 2 cents

  5. Joachim sagt:

    Schon das Wort „Podcast“ ist eine Hemmschwelle. Die komplizierte Technik (s. Michaels Kommentar) kommt hinzu. Sprich: Podcasts sind ein Medium für sehr internet-affine Menschen mit Präferenz für akustische Information. Die Situation in den USA ist insofern nicht mit der hiesigen zu vergleichen, als das Hörfunkangebot völlig unterschiedlich ist.

    Aber: Mit iPhone (und den iPhone Klonen anderer Hersteller) und zukünftigem digitalem Radio werden Podcasts sicher auch für breitere Schichten interessant; schon jetzt ist es ungleich einfacher, den Tellerrand mit der vorinstallierten iTunes App auf dem iPhone zu hören, als ihn sich übers Web zu abonnieren. Allerdings wird die Szene von den Zweitverwertungen der Radiosender dominiert werden (was ja bereits der Fall ist). Wer sich die Podcast-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen anschaut, merkt: da ist von Comedy über Wissenschaft bis Technik so viel Premium-Content dabei, dass man als „privater“ Podcaster wirklich außergewöhnlich sein oder eine sehr spezielle Nische besetzen muss, um sich im begrenzten Zeitbudget des Publikums Platz zu verschaffen.

  1. 8. August 2012

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