Shitstorm a’la Jamba: Paperchase vs. Eloise – Wie eine Pose zur Posse wurde…

<Aktualisiert, siehe 16.02.2010>

…oder: „Wie uns Paperchase den Jamba macht…“

…oder: „Wenn’s in der Supply-Chain kräftig rasselt, und sich der Mitarbeiter schwer verquasselt“

Wie auch immer: Letzlich geht es hier um einen interessanten, fast schon gelernten Kampf „David gegen Goliath“. Dieser wird – wie so oft – online ausgefochten und abstrahiert – wie so oft – von der juristisch festgestellten Rechtmäßigkeit des betreffenden Vorwurfs. Es hätte auch gut gehen können. Stattdessen entwickelte es sich zu einem Fallbeispiel, wie kommunikatives Fehlverhalten trotz vermeintlicher Unschuld einen Arbeitsplatz kosten kann:

Management Summary:

  • Eine freie Designerin „Hidden Eloise“ unterstellt dem Einzelhändler Paperchase eine zweifelhafte Urheberrechtsverletzung
  • Sie löst damit ein Twitter Meme aus, welches es in die Massenmedien schafft
  • Hier stellt sich die Unschuld von Paperchase heraus
  • Der unglückliche Verlauf der Dinge kostet dennoch einen Mitarbeiter bei Paperchase den Arbeitsplatz.

Der Brouhaha

Ende 2009 in England: Die Designerin Hidden Eloise entdeckt eine von ihr entworfene Figur auf bedruckten Taschen und Notizbüchern der Einzelhandelskette Paperchase. Paperchase ignoriert die Aufforderung, die Produkte wegen möglicher Urheberrechtsverletzung vom Markt zu nehmen. Mitte Februar schafft es die Geschichte durch einen einzigen Tweet in die größten Online-Medien Englands. Und das verführt Paperchase letztendlich dazu, DEN klassischen Fehler in Social Media zu begehen…

Der Verlauf
(Hinweis: UTC = Coordinated Universal Time = GMT+1)

November 2009 Designerin Hidden Eloise bemerkt, dass eine von ihr entworfene Figur in Motiven auf Notizbüchern und Taschen der Kaufhauskette Paperchase zu sehen ist. Sie vermutet eine Urheberrechtsverletzung und kontaktiert Paperchase.

Mittwoch, 10.02.2010 (09:00 p.m. UTC)

Donnerstag 11.02.2010 (10:41 a.m. UTC)

„Fascinating Paperchase plagiarism over at http://bit.ly/cdrzKZ . Bad Paperchase.“

Donnerstag, 11.02.2010 (ca. 01:00 p.m. UTC)

Donnerstag, 11.02.2010 Nachmittags

  • Die Geschichte wird Twitter Trend in England, bald darauf Twitter Trend Global.
  • Erste Boykottaufrufe erscheinen.
  • Leute diskutieren inzwischen auf der Amazon-Produktseite, die inzwischen offline ist.

Donnerstag, 11.02.2010 Abends

Online-Massenmedien in England greifen die Geschichte auf:

Freitag, 12.02.2010

  • Die Design-Company GatherNoMoss meldet sich bei Eloise und tritt mit ihr „in Verhandlung“. Sie hatte das Design an Paperchase verkauft, verleugnet jedoch den Designklau und schiebt es auf eine freie Designerin, von der sie wiederum das Design gekauft hatten. Sie verbieten Eloise die Verwendung von Zitaten aus der Kommunikation und die Verwendung des umstrittenen Designs auf ihrem Blog.
  • Am gleichen Tag meldet sich die freiberufliche Designerin, welche die umstrittene Grafik für Gather No Moss / Paperchase erstellt hat. Sie bestreitet den Imitationsvorwurf zunächst, gibt aber auf Druck durch Eloise dann doch eine Ähnlichkeit zu. Sie wollte ursprünglich nur die Pose der Figur für ihre neue Grafik benutzen. Sie entschuldigt sich bei Eloise.

Montag, 15.02.2010

  • Immer noch keine Reaktion von Paperchase.
  • In PR-Blogs entwickelt sich eine Diskussion darüber, ob sich ein solches PR-Desaster durch Insourcing und Verkürzung der Supply-Chain verhindern lässt. Schlechte Nachrichten für freie Designer.
  • Eloise appelliert erneut an Paperchase mit 4 Vorschlägen zur Wiedergutmachung:
    Entschuldigung,
    Klarstellung,
    Gegendarstellung und
    Weiterverkauf der Ware und spende des Gewinns an eine wohltätige Institution.
  • Gather No Moss bietet Eloise per Mail 500 Dollar zur Wiedergutmachung an, sie wollen einen Scheck schicken.

<Ergänzt>

Dienstag, 16.02.2010 (03:01 p.m. UTC)

  • Paperchase kündigt via kurzfristig eingerichteten Twitter-Account Stellungnahmen von Gather No Moss auf der Paperchase-Homepage an.
  • Die Stellungnahme ist leider nicht mehr erreichbar, aber mit Datum 20.02.2010 noch im Google Cache zu finden.
  • In der Stellungnahme beschreibt Paperchase Chief Executive Timothy Melgund, dass Paperchase Ende 2008 die Grafiken von der Design Agentur Gather No Moss gekauft, und Gather No Moss diese wiederum von der freien Grafikerin Kitty Mason bezogen hat.
  • T. Melgund gibt zu, dass Paperchase den Sachverhalt Ende 2009 hätte besser prüfen sollen. Auch wäre es besser gewesen, die Artikel bis zur Klärung des Sachverhalts vorläufig aus dem Verkauf zu nehmen.
  • Mit Hidden Eloise hätte man allerdings am 02. Dezember 2009 in der Sache Kontakt aufgenommen, leider ohne Rückmeldung.
  • Paperchase fühlt sich nach wie vor nicht im Unrecht, gibt aber zu dass man an einigen Stellen besonnener hätte reagieren sollen.

Bemerkenswert ist, dass die Statements von Paperchase, Gather No Moss und Kitty Mason inzwischen nicht mehr auf der Website von Paperchase zu finden sind. Das würde auch im Nachhinein einiges klären.

</Ergänzt>

Samstag, 20.02.2010

  • Eloise bekommt von Gather No Moss per Post einen Scheck in Höhe von 350 Pfund. Sie schreibt im Blog: Frechheit!
    Erstens zu wenig,
    zweitens will sie kein Geld und
    drittens ist es eine rechtliche Falle, denn bei Annahme des Schecks würde ihr alle rechtlichen Ansprüche entfallen.

Mittwoch, 24.02.2010

UPDATE:

Ein Chef von Paperchase meldet sich bei Eloise. Der kommentierende Mitarbeiter wurde ausfindig gemacht und gefeuert.

Der ganze Fall wird demnächst bei uns im Brouhaha-Podcast besprochen

Blick 238 auf ein Xing, Twitter und TV, Online Reputation und Werber-Schnick-Schnack

Es ist der 26.02.10 und das ist der 238. Blick über den Tellerrand, heute auf fette Videoabrufzahlen aus USA, fette Podcast-Downloadzahlen aus der Schweiz, fettes Social Media Monitoring, auf einen eher mageren Brouhaha bei Xing, delikate Persönlichkeitsprofile bei eBay und auf einen interessanten Einblick in die Werbebranche, denn hier sind doch immer noch die interessantesten Jobs zu finden…

[audio:http://tellerrand.podspot.de/files/tellerrand238.mp3]

Dauer: 18 Minuten : Download als MP3 (16 Mb)

Shownotes

Intro: Spot Texterschmiede Hamburg, Ramses 2008

Storyteller

Kostenloses Hörspiel von Werbern für Werber: Caught in the Ad Download bei Hastings

Popposkop

Podcast-Tipp: Brouhaha 17 augsburgr.de und die Folgen

Spot: Alzheimer Gesellschaft Hamburg : Ramses 2010

…to be continued…

Blick 237 auf Skittles, iwearyourshirt, Website Greeters und Online-Reputation

Der 237. Blick über den Tellerrand, heute auf ausgelutschte Social-Media-Skittles, T-Shirt-Tragen als Business-Modell, eine interessante Studie zum Thema Online Reputation und dem Podpimp als Social Media Sherlock Holmes…

[audio:http://tellerrand.podspot.de/files/tellerrand237.mp3]

Dauer: 35 Minuten : Download als MP3 (30 Mb)

Shownotes

Intro: Radiopannen.de – Kondome

Popposkop

Podcast-Tipp: Brouhaha 16 – Süddeutsche Zeitung und das gekaufte Lob für die iPhone-App

Studie zur Relevanz der Online-Reputation : Microsoft und Trustworthy (pdf)

Outro: Impertinenz 2.0: Immobilienbüro bezeichnet „Eiskratzer“ als Aufmerksamkeit

Ausgelutscht? Skittles verabschiedet sich vom Social Media Hub

Skittles hat die Website relauncht, die seit Februar 2009 als Social Media Hub existierte.

Der Social Media Hub, oder auch „Un-Site“ genannt, reduzierte die Navigation der Website auf einen Navigationsbereich, welcher lediglich auf bekannte Social-Media-Anwendungen mit den entsprechenden Suchabfrage „Skittles“ weiterleitete.

Das Konzept war nicht ganz unumstritten. Im Bereich „Chatter“ wurde z.B. auf die Suchergebnisse nach „Skittles“ auf Twitter verwiesen und gab damit jedem Troll eine Plattform die eigenen Tweets mit dem Hashtag „Skittles“ in der offiziellen Timeline von Skittles zu platzieren.

Das Konzept war auch nicht besonders neu, denn bereits seit 2008 präsentiert sich so die Agentur Modernista! aus Boston. Aber es war das erste Mal, dass sich eine derart bekannte Marke fast ausschließlich über Social-Media-Meinungen definiert.

Für die Ferienregion Oberstaufen scheinbar Ansporn genug das Social-Media-Hub-Konzept für ihren Auftritt „Oberstaufen Plus“ zu übernehmen. Dieser wurde damit Teil einer Tourismus-Marketing-Kampagne, die sowohl mit dem Deutschen Tourismuspreis 2009 und den ADAC Tourismuspreis Bayern 2010 prämiert wurde.

Die aktuelle Website von Skittles ist eine Art Umkehr, aber keine Abkehr von Social-Media. Den auf der „Endlos-Site“ unter www.skittles.com finden sich genug durchgeknallte Inhalte, die der geneigte Social-Media-Reisende in seine eigenen Profile auf Facebook, Twitter und MySpace übernehmen kann.

Zudem betreibt Wrigleys für seine Skittles jetzt mit der Kampagnen-Site „ShareSkittles – Share The Rainbow, Taste The Rainbow“ eine Art nutzergeneriertes „Social-Media-Ping-Pong-Spiel“ mit Youtube-Videos.

Und, nicht zu vergessen, Skittles ist natürlich nicht nur auf Facebook vertreten (mit aktuell 3,7 Mio. Fans!), sondern twittert seit Anfang Februar 2010 auch unter http://www.twitter.com/skittles mit… naja… aktuell 444 Followern…

Also, die Social-Media-Aktivitäten bei Skittles scheinen nicht wirklich ausgelutscht…

Blick 236 auf Podcast-Werbung, Schweizer Messer-Meme, Kuhbesamung, Pepsi Refresh und Solvis

Es ist der 06.02.10 und das ist der 236. Blick über den Tellerrand, heute auf Werbefreunde und -verweigerer im Netz, die DAX 30 im Social Web, ein Meme rund um ein Schweizer Messer, Kuhbesamung bei Twitter, Pepsi als vermeintlicher Weltretter und den Tellerrand auf Abwegen…

[audio:http://tellerrand.podspot.de/files/tellerrand236.mp3]

Dauer: 33 Minuten : Download als MP3 (30 Mb)

Shownotes

Intro: Der Blick über den Tellerrand auf Abwegen

Popposkop

Spot Gattungskampagne Radiozentrale

Pepsi packt 20 Mio. US Dollar in ein „weltrettendes“ Social Media Programm namens „Pepsi Refresh Project“

Spot: Afri Cola

Corporate Anthem: Solvis – „Willkommen in deiner sonnigen Zukunft“

Blick 235 auf iPad Keynote, Facebook, Zahlungsbereitschaft, HowSociable und den Chevy Volt Song

Es ist der 02.02.10 und das ist der 235. Blick über den Tellerrand, heute auf die Umsätze von Facebook, Zahlungsbereitschaft im Netz, die Top 10 Social Media Stories 2009 und natürlich das iPad von Apple:

[audio:http://tellerrand.podspot.de/files/tellerrand235.mp3]

Dauer: 20 Minuten : Download als MP3 (20 Mb)

Shownotes

Intro: Apples iPad Keynote in 180 Sekunden


Storyteller

Popposkop

Corporate Anthem : GM – Chevy Volt Song : Artikel auf Spiegel „Ein Song wie ein Stromschlag“

Brouhaha 17 – augsburgr.de und die Folgen

Brouhaha

November 2009 in Bayern – Der Augsburger Blogger Michael Fleischmann plant ein Weblog mit regionalen Informationen rund um Augsburg. Hierfür registriert er zunächst die Domain augsburgr.de, informiert aber umgehend die Stadt Augsburg und fragt an, ob dem Projekt etwas entgegenstünde. Die Antwort erhält er prompt – in Form einer Abmahnung zusammen mit einer Kostennote in Höhe von knapp 1.900 Euro.

Obwohl Oberbürgermeister Kurt Gribl die Abmahnung wegen des Echos in den Medien zurückzieht, sieht er sich seit dem Vorfall wiederholten „Verunglimpfungen“ ausgesetzt. Auf dem Microblogging-Dienst Twitter tauchen immer wieder zwitschernde Kurt Gribls auf, die aber mit dem Augschburger OB ungefähr soviel zu tun haben wie Twitter mit der alten Postkutsche.

Momentum, Reaktion und Relevanz diskutiert „Podpimp“ Alex Wunschel diesmal mit Gastmoderator „Argusauge“ Thomas Hillebrand:

Quellen