Brouhaha 10 – Otto und die 50-Euro-MacBooks

Heute mit Gast-Moderation: Daniel Fiene (Twitter, Podcast „Was mit Medien“)

28. Juli 2009 in Hamburg: Auf der eCommerce-Plattform Otto.de wurden aufgrund einer technischen Panne Apple MacBooks für schlappe 49,95 Euro anstatt für reguläre 1.699 Euro angeboten. Die Nachricht verbreitete sich auch über Twitter und 2.565 Onliner bestellten binnen 2 Stunden 6.534 Notebooks.

„Zu früh gefreut“ war die erste Reaktion des Versandhauses, es sei kein Kaufvertrag zustande gekommen. Die Besteller ärgerte aber weniger die Tatsache nicht wirklich ein Schnäppchen gemacht zu haben, sondern eher die anfänglich etwas hilflosen Aktionen und Reaktionen des Versandhauses.

Zwei Tage später gestand OTTO den Fehler ein, entschuldigte bei allen Kunden und machte ihnen ein sattes Angebot…

Brouhaha

28. Juli 2009: 2 Stunden lang gab bei Otto.de aufgrund einer technischen Panne das MacBook oder das MacBook Air für 49,95 Euro anstatt 1700 Euro.

Momentum

Für Kunden unverständliche Aktionen wie

  • Eigenständige Wandlung  des Kaufgegenstandes von „Laptop“ in „Laptoptasche“
  • Änderung der Bestellhistorie auf Otto.de

Missverständliche Reaktionen seitens Otto.de:

  • Protokollierter Interview-Versuch zwischen Richard Gutjahr und Otto-PR-Mann Martin Schleinhege

Reaktion

  • Otto entschuldigt sich zwei Tage später in einer Pressemitteilung und macht ein Angebot zur Wiedergutmachung
  • Geschätzte Kosten: 340.000 Euro

Relevanz

Coverage auf Twitter: Ca. 350 Tweets mit #otto binnen 24 Stunden

Coverage in reichweitenstarken Online-Medien (Auswahl, bis 30.07.09 abends)
Abendzeitung , NDR Info , Focus Online , Zeit-Online, Merkur-Online, T-Online

Coverage der Wiedergutmachung in Süddeutsche Zeitung, WeltKompakt etc. (Auswahl)

Take-Aways

  • Spirale Twitter -> Web -> Medien führt zu „Verlust“ von ca. 340.000 Euro seitens Otto
  • Hoher medialer Gegenwert des Brouhaha durch die Medienmeldungen (welche das Thema sehr neutral behandelten)
  • Offen, inwiefern die „Wiedergutmachung“ ähnliche mediale Aufmerksamkeit erhält. Trend hält aktuell an. Klassische Medien mit Zeitversatz setzen auch auf Nachrichtenwert „Wiedergutmachung“
  • Die „Personifizierung“ stärkte den Brouhaha
  • Google-Suche „Otto MacBook“ wird leider noch dominiert mit den Negativmeldungen

Weitere Links

iPhone verschluckt Teile des Podcast-Titels

tellerrandAlso, das kapiere wer will: Der Titel meiner aktuellen Episode lautet definitiv

„Blick 219 auf Zensursula, Podnotes und Vida Podcast“

und wird auch als solche in iTunes angezeigt.

Auf dem iPhone aber erscheint der Titel als

„219 auf Zensursula, Podnotes und Vida Podcast“

Also ohne das Wort „Blick“.

Wo gibt’s denn sowas?

Scheinbar nicht nur bei mir. Auch beim Normcast erscheint nur die Episodenfolge „144“ , obwohl der Titel „Normcast 144“ lautet.

Blick 219 auf Zensursula, Podnotes und Vida Podcast

Ein Blick auf  Zensursula, Podnotes und Vida Podcast:
[audio:http://tellerrand.podspot.de/files/tellerrand219.mp3]

Dauer: 35 Minuten : Download als MP3 (30 Mb)

Shownotes

Intro: Zensursula Anthem

Podnotes

Podcast-Tipp

Österreichische Gewerkschaft Vida mit Podcast http://podcast.vida.at

Outro: Zensursula Anthem von Oliver Kels

USA: Web-Video-Spots doppelt so teuer wie TV-Spots

Online-Video-Werbung ist in den USA doppelt so teuer wie klassische TV-Werbung.

Das verdeutlicht der Artikel bei Bloomberg an dem Beispiel „Simpsons“ in klassischen TV und beim Online-Video-Anbeiter Hulu.  Interessante Auszüge aus dem Artikel:

  • Spots während der „Simpsons“ kosten im TV $ 20 – 40 TKP , für Spots in den „Simpsons“ bei z.B. über hulu.com oder TV.com werden $ 60 TKP fällig (wahrscheinlich alles Brutto-Angaben)
  • Begründung: „Commited and captive audience“, „fewer commercials“, „Online-consumers twice as likely to recall Web ads“, You know you have eyes on the screen“
  • Eine „Simpsons“-Episode auf Hulu enthält 37 Sekunden Werbung, die Simpsons-Episode auf TV liefert 9 Minuten Werbespots
  • TV-Werbung erzeugt dreimal mehr Umsatz pro Zuseher, obwohl die Werbung nur halb so teuer ist (bezogen auf 1.000 Kontakte)

In dem Artikeln sind auch weiter, sehr interessante Gedankenspiele für den US-Markt zu finden.

In Deutschland sieht es aktuell scheinbar nicht anders aus: Hier werden für Online-Video TKP-Preise von 50 – 80 Euro brutto kolportiert, was man getrost als „doppelt so teuer wie TV“ bezeichnen kann. Allerdings bezieht sich das eher auf kürzere Online-Video-Formate, also WebClips. In Deutschland haben wir keine vergleichbare Portale vie TV.com oder hulu.com, die ganze Sendungen online verfügbar machen. Deswegen hinkt der Vergleich mit USA noch etwas.

Der Hinweis auf den Artikel kam von Georg Portenkirchner. Besten Dank, Georg.

Interessanter Ansatz zur Qualitätsbewertung von Podcasts

Folgendes kam über Marcel Knust zu mir. Er studiert an der Uni Hildesheim, schreibt eine Uni-Abschlussarbeit im weiten Bereich des Informationsmanagements und beschäftigt sich dabei auch mit Informationsqualität.

Dabei ist er auf zwei interessante Podcastbewertungsansätze aus Holland gestoßen. Es handelt sich hierbei um das „Podcast analysis framework“ – das so genannte „PodCred“ – und einer „Prediction Podcast Preference“ von Manos Tsagkias et al. (2008).

Mit dem „Podcast analysis framework“ haben Manous et al. ein Bewertungssystem rund um die vier Kategorien

  • Podcast Content (e.g. Themenpodcast, Mehrere Themen pro Episode, Referenzen zu anden Episoden,…)
  • Podcaster (Schnelle/langsame Sprache, Erfahrung, Stimmungsschwankungen,..)
  • Podcast Context (Anzahl Comments, Links in Metadaten, Werbung,…)
  • Technische Execution (Opening Jingle, Audioqualität, Feedlogo,..)

entwickelt.

Nächster Schritt war die Arbeit „Exploiting Surface Features for the Predicition of Podcast Preference“. Mit dieser wurde versucht für jeden Podcast einen Wert für die so genannte „Podcast Preference“ zu ermitteln. Den „Proof of Concept“ liefert Manos mit dem Service „PodTeller“:

http://zookma.science.uva.nl/podteller/

Also, einfach mal am eigenen Podcast ausprobieren. Der Blick über den Tellerrand erreicht 93%. Was auch immer das am Ende des Tages genau heissen mag…

Links:

PodCred – Podcast analysis framework
Exploiting Surface Features for the Predicition of Podcast Preference

niche09 – Das Podcamp München nun mit 18 Stunden Audio

Es war ruhig um den Podcast an dieser Stelle… Den Grund kennen die Hörer: Die niche09

150 Podcasterinnen und Podcaster trafen sich am 20. Juni in München um in 18 Workshops ihre Erfahrung rund um audiovisuelle Medienproduktionen auszutauschen.

Das Ergebnis:

  • 18 Stunden Audio (ein halbes Gigabyte an Audio-Dateien!)
  • Videos von 8 Workshops
  • 15 Präsentationen als Download verfügbar

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber gut eine Woche nach der niche09 sind damit alle (!) Workshops dokumentiert.

Hier geht es zur Übersichtsseite der Workshops

Und demnächst geht es auch weiter mit dem Blick über den Tellerrand.

Beste Grüße, Alex